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Donnerstag, 21. Juli 2011

Das ganz große Feuerwerk

Family - Old Songs New Songs (1971)
Reprise Records
Bei diesem Album handelte es sich eigentlich um eine Compilation, auf der die Band neben Singles auch einige Songs versammelte, die sie ganz neu eingespielt, bzw. abgemischt hatte. Family waren mit dem Mixdown ihres zweiten Albums Entertainment nicht sehr zufrieden gewesen und auf dieser Zusammenstellung bot sich nun die Gelegenheit, dies, zumindest teilweise, zu ändern.
Old Songs New Songs bestach durch seine enorme Dramaturgie. Während auf Seite Eins noch alles in "normalen" Bahnen läuft, wird auf Seite Zwei dann das ganz große Feuerwerk abgebrannt. Hier versammeln sich wirklich die besten Songs der Band und der Höhepunkt ist The Weaver's Answer. Sowieso schon ein großer Song, ist er in dieser Neuaufnahme jedoch Abschluss und Krönung eines gelungenen Albums.
Den Zauber kann man heute jedoch nur noch erfahren, wenn man die Schallplatte besitzt. Wiederveröffentlicht wurde Old Songs New Songs nie. Für mich war es der perfekte Einstieg in das Werk der Band und eine langjährige Begeisterung, auch für das Nachfolgeprojekt Streetwalkers oder für die frühen Soloplatten Roger Chapmans.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Die Vorwegnahme von Fusion

Frank Zappa - Hot Rats (1969)
Reprise Records
Keine Ahnung, wann genau ich dieses Album zum ersten Mal hörte. Nur wo, das weiß ich noch. Bei uns, im heimatlichen Jazzkeller, irgendwann in den Siebzigern.
Hot Rats veränderte meine Sicht auf Frank Zappa und seine Musik völlig. Fortan sah ich in ihm eher den Komponisten. Formal war das die Vorwegnahme von Fusion, und gleichzeitig auch deren Höhepunkt. Aber es ist eher kein Jazz. Hier ist jede Nuance von Zappa perfekt durch arrangiert und selbst die Soli klingen allesamt "komponiert", durch und durch melodiös. So kann man jede der Melodien schon beim zweiten Mal mitsummen. Also ein Album, das gute Laune macht, das anspruchsvoll und doch eingängig ist, also beinahe die Kriterien für ein perfektes Popalbum erfüllt.

Dienstag, 19. Juli 2011

Zwischen Prog und Folk

Strawbs - Hero And Heroine (1974)
A&M
Dieses Album der Strawbs hörte ich mit meinem damals besten Freund immer und immer wieder. Irgendwann konnte ich die Texte, ohne sie wirklich zu verstehen, allesamt auswendig mitsingen (und das klappt teilweise heute noch). Alles an diesem Album ist klasse. Das Cover, die Songs, der Sound, der Sänger David Cousins - die Stimmung. Die Band konnte sich damals nicht so richtig entscheiden, ob sie ihre alten Folkwurzeln wirklich völlig über Bord werfen und sich ganz dem Progressiven hingeben sollte, oder eine Mischung aus ihren musikalischen Möglichkeiten versuchen sollte. Sie entschied sich für letzteres, und das gelang ihr gar köstlich. Highlight sind der Titelsong (bis heute uneingeholt) und Out In The Cold. Auch wenn es noch andere gute bis sehr gute Strawbs Alben gibt (eines wird hier später sicher noch Erwähnung finden), bleibt Hero And Heroine das absolute Highlight in deren Discografie.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Das "unheimliche Meisterwerk"

King Crimson - In the Court of the Crimson King (1969)
E'G
Als ich dieses Album bei einem Freund Anfang der Siebziger erstmals hörte, blieb mir gleich beim ersten Song 21st Century Schizoid Man schlicht die Spucke weg. So etwas hatte ich zuvor nie gehört. Es war etwas verstörend. (Pete Townshend nannte das Album einmal ein "unheimliches Meisterwerk".) Heute ist es nicht mehr so einfach, das Ungeheuerliche daran zu erklären. Vielleicht war es das auch 1972 schon nicht, denn statt das Album zu verdrängen, bin ich los und habe es mir gekauft. (Und dann saß ich da in der Bahn und starrte diese Fratze, diesen Crimson King an - und der war irgendwie genauso irritierend.) Jedenfalls war das das erste Rockalbum, das ich so hörte, wie mein Vater Klassikplatten hörte: ganz aufmerksam, versunken in jeden Ton, jede Textzeile, am besten über Kopfhörer. Und wenn sich dann der Tonarm nach dem letzten Song In The Court Of The Crimson King von der Platte hob, dann war das stets erst einmal das letzte Stück Musik für den Rest des Tages. Und das geht mir heute noch so. Danach ist erst einmal Ruhe.