In diesen Tagen sind die Alben zweier älterer Herren erschienen, die ich nun so oft gehört habe, dass ich inzwischen kaum glauben kann, dass sie rein zufällig so zeitgleich erschienen sind. Warum? Weil man sie so schön vergleichen kann und dabei kaum Gemeinsamkeiten ausmachen kann, sie aber trotzdem prima zusammen passen.
Posts mit dem Label Gerade gehört werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gerade gehört werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 2. Oktober 2011
Donnerstag, 8. September 2011
Gerade gehört: Ry Cooder - Pull Up Some Dust And Sit Down
Ry Cooder ist schon ein Phänomen. Jahr für Jahr bringt er neue Alben heraus und findet jedes mal ein neues Thema; dieses mal ist es der Protestsong. Ok, das Thema hat er schon öfter gestreift in seinen unermüdlichen ethnologischen Bemühungen, dem Folksong einen wichtigeren Platz in der vom Pop und Rock beherrschten Musikwelt einzuräumen. Im aktuellen Fall packt er aber ganz aktuelle Themen an, verbreitet also ganz persönlichen Protest verbunden mit seiner oft so typischen Bitternis, seiner Ironie bis hin zum Sarkasmus. Ein Kulturpessimismus, der sich oft nur im Zusammenspiel mit der Musik wieder auflöst. Denn Cooder packt seinen Protest ins Gewand klassischer Protestsongs, also Folk, Blues, Mariachi - und Ry Cooder wäre nicht Ry Cooder, würde er das nicht mit einer gehörigen Portion Humor verbinden - auch wenn der im Falle Pull Up Some Dust And Sit Down recht düster daher kommt.
Das geht los mit dem Song Quicksand, den Cooder bereits im letzten Jahr aus Anlass eines neuen Migrationsgesetzes in den USA veröffentlicht hatte. Hier gibts keine "Gnade" für die Mexikaner, die ihrem zerrütteten Land entfliehen wollen. Oder in Christmas Time This Year, dem besonderen Weihnachtsgruß für den Präsidenten:
Überhaupt muss man mal die großartigen Sangeskünste Ry Cooders erwähnen. Das kommt meiner Meinung nach viel zu selten vor. Auf seinen ganz frühen Alben hielt er sich damit offenbar noch etwas zurück. Doch je älter er wurde, desto bluesiger wurde seine Stimme. Nicht nur in John Lee Hooker For President klingt er beinahe schwärzer als seine Vorbilder, auch im dem spartanischen instrumentierten Baby Joined The Army, einem Song, in dem er den amerikanischen Traum auf das Erschossenwerden im Krieg reduziert: "They told me if I get killed in battle I still get paid". Und in Simple Tools zeigt Cooder mit einfachen Mitteln wie ausweglos sich das wirkliche Leben darstellen kann.
Und am Ende des Albums angekommen, wird einem klar, warum Ry Cooder an all diesen Gruseligkeiten nicht völlig verzweifelt. Weil er die Musik dazu hat, diesem Protest eine Form zu geben. Und zwar eine wunderschöne Form. Im letzten Song des Albums allerdings, No Hard Feelings, einer romantisch klingenden Countryballade, versucht er noch einen anderen Weg der Problembewältigung:
Christmas Time This Year | kaufen (amazon) ist auch als Vinyl erschienen!
| [DL]
Das geht los mit dem Song Quicksand, den Cooder bereits im letzten Jahr aus Anlass eines neuen Migrationsgesetzes in den USA veröffentlicht hatte. Hier gibts keine "Gnade" für die Mexikaner, die ihrem zerrütteten Land entfliehen wollen. Oder in Christmas Time This Year, dem besonderen Weihnachtsgruß für den Präsidenten:
Our boys and girls will be coming home in plastic bags I fearSo stellt er auch gleich klar, welchen Präsidenten er damit meint - und unterlegt das mit herrlichen Tex-Mex-Akkordeonklängen - natürlich von Flaco Jimenez gespielt. Und in John Lee Hooker For President, wo Ry Cooder den vor 10 Jahren verstorbenen Blueser regelrecht auferstehen lässt, bekommt dann auch Präsident Obama noch sein Fett weg.
then we'll know it's christmas time this year
Thank you Mr. President for your kind words and deeds
There's just one thing I'd like for you to hear
Take this war and shove it up this Crawford, Texas ass
And then you know it's christmas time this year
Überhaupt muss man mal die großartigen Sangeskünste Ry Cooders erwähnen. Das kommt meiner Meinung nach viel zu selten vor. Auf seinen ganz frühen Alben hielt er sich damit offenbar noch etwas zurück. Doch je älter er wurde, desto bluesiger wurde seine Stimme. Nicht nur in John Lee Hooker For President klingt er beinahe schwärzer als seine Vorbilder, auch im dem spartanischen instrumentierten Baby Joined The Army, einem Song, in dem er den amerikanischen Traum auf das Erschossenwerden im Krieg reduziert: "They told me if I get killed in battle I still get paid". Und in Simple Tools zeigt Cooder mit einfachen Mitteln wie ausweglos sich das wirkliche Leben darstellen kann.
Und am Ende des Albums angekommen, wird einem klar, warum Ry Cooder an all diesen Gruseligkeiten nicht völlig verzweifelt. Weil er die Musik dazu hat, diesem Protest eine Form zu geben. Und zwar eine wunderschöne Form. Im letzten Song des Albums allerdings, No Hard Feelings, einer romantisch klingenden Countryballade, versucht er noch einen anderen Weg der Problembewältigung:
No hard feelings no offense takenAber ob das so klappt?
You're just a murmur in the whispering sands of time
No bad karma, no curses on ya
You'll go your way and I'll go mine
Christmas Time This Year | kaufen (amazon) ist auch als Vinyl erschienen!
Samstag, 27. August 2011
Gerade gehört: Other Lives - Tamer Animals
Ursprünglich schon für Mai versprochen und als Preview auf dieser Seite vorgestellt, ist es für Other Lives' neues Album Tamer Animals doch August geworden - warum auch immer. Meiner Einschätzung vom Mai ist nichts hinzu zu fügen. Es ist auch im August noch immer ein prima Album!
Nun verschenkt die Band, zur Feier des Tages, den Song For 12. Kann man sich hier umsonst runterladen:
Nun verschenkt die Band, zur Feier des Tages, den Song For 12. Kann man sich hier umsonst runterladen:
Das dazugehörige - und überaus sehenswerte - Video kann man auf der Webseite der Band anschauen.
Das Album ist ab sofort erhältlich und ist auch als Vinyl erschienen.
Kaufen (amazon)
Das Album ist ab sofort erhältlich und ist auch als Vinyl erschienen.
Kaufen (amazon)
Donnerstag, 21. Juli 2011
Gerade gehört: Locas In Love - Lemming

Obwohl ich finde, dass es langsam Zeit wird, dass Locas In Love endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zusteht, machte mich die Euphorie in den Medien der letzten Wochen doch ein wenig misstrauisch. Doch ich werde mich dieser Euphorie nun uneingeschränkt anschließen! Lemming ist eine gewaltiger Schritt in eine ganz neue Richtung. Plötzlich machen die Kölner richtigen Indiepop in der Tradition der Shoegazer/Noise Tradition der 80er-Jahre. Unerwartet! Da türmen sich mitunter ganze Gitarrenwände vor einem auf, die man irgendwo zwischen Ride und Velvet Underground ansiedeln kann.
Und auch textlich scheinen sich die Songschreiber weiterentwickelt zu haben. Ganz besonders angetan hat es mir dabei das auch als Single veröffentlichte An Den Falschen Orten, das auf dem Album mit sechseinhalb Minuten völlig unwiderstehlich wird.
Auf ihrer Webseite präsentiert die Band übrigens stolz all die tollen Rezensionen aus Presse und Netz der letzten Zeit. Und die sind die Lektüre Wert. Außerdem lesen wir dort, was es mit dem Titel Lemming auf sich hat, können das Video zu An Den Falschen Orten anschauen und im Shop auch ältere EPs/Singles und Alben downloaden. Das Album Lemming ist auch als Vinyl (inkl. CD) erhältlich!
Und auch textlich scheinen sich die Songschreiber weiterentwickelt zu haben. Ganz besonders angetan hat es mir dabei das auch als Single veröffentlichte An Den Falschen Orten, das auf dem Album mit sechseinhalb Minuten völlig unwiderstehlich wird.
"Die Band aus Köln [hat sich] bereits in der Vergangenheit darauf konzentriert, schmerzliche Wahrheiten auf ungewöhnlichem Wege mitzuteilen"sagt Jan Wiggers auf Spiegel Online. Und das trifft besonders auf Die zehn Gebote und An Den Falschen Orten zu. Wo kommt nur diese unangenehme Weisheit her? Oder Spoiler Warning, bei dem Ein Loch ist im Eimer und Let It Be auf grandiose Weise verknüpt werden: "Verstopf es mit dir selbst, mit dir selbst, mit dir selbst/ Wenn du glaubst, dass sich etwas ändert/ Wenn du glaubst, dass du es aushältst/ Sonst lass es sein, lass es gehen, lass es los/ Worte voller Weisheit: Lass es sein." Große Klasse!
Auf ihrer Webseite präsentiert die Band übrigens stolz all die tollen Rezensionen aus Presse und Netz der letzten Zeit. Und die sind die Lektüre Wert. Außerdem lesen wir dort, was es mit dem Titel Lemming auf sich hat, können das Video zu An Den Falschen Orten anschauen und im Shop auch ältere EPs/Singles und Alben downloaden. Das Album Lemming ist auch als Vinyl (inkl. CD) erhältlich!
An Den Falschen Orten | Die zehn Gebote | Lemming (bei amazon)
Sonntag, 3. Juli 2011
Gerade gehört: Ricardo Villalobos & Max Loderbauer - Re: ECM
Produziert im Berliner Laika Studio im Herbst 2009, konnte Ricardo Villalobos seine Leidenschaft zur Musik des Labels ECM mit dem Doppelalbum Re: ECM krönen. Mit Arvo Pärts Tabula Rasa baute Villalobos vor Jahren erstmals Musik seines Lieblingslabels ECM in seine DJ-Sets ein. Seine minimalistische elektronische Musik schien sich besonders leicht mit den organischen Sounds von ECM kombinieren zu lassen. Zusammen mit Max Loderbauer begann Villalobos schließlich ausgewählte Werke zu dekonstruieren und über diese mit Loops und Synthesizer zu improvisieren. Ergebnis: ein Album, das nun auf eben jenem Label, auf Manfred Eichers ECM, erschien.
Natürlich ist das rein formal gesehen auch Jazz, denn die beiden Elektroniker bedienten sich durchaus der Improvisation. Vom Gefühl her ist das jedoch eher ein Ambientalbum, erinnert mitunter an Brian Enos und David Byrnes Meisterwerk My Life In The Bush Of Ghosts, oder an späte Werke eines David Sylvian; allerdings in einer weitaus minimalistischeren Umsetzung, bedingt auch dadurch, dass Villalobos und Loderbauer nicht die einzelnen Spuren der Originale bearbeiten konnten, sondern einzelne Instrumente, Stimmen oder Atmosphären extrahierten und diese neu bearbeiteten und zusammensetzten.
Die besten Stücke sind für mich die, die mit Stimmen arbeiten. Zum einen Resvete, basierend auf Alexander Knaifels Svete Tikhiy, und zum anderen Reblazhenstva, das auf dem Stück Blazhenstva des selben Komponisten beruht.
Dieses Projekt ist nicht das, was man von einem Remixalbum erwarten würde. Es hat auch nichts mit Matthew Herberts ähnlichen Versuchen zu tun. Es klingt, besonders wenn man die Originale nicht kennt, praktisch wie ein eigen-ständiges Werk. Es beeindruckt durch das Wechselspiel organischer mit elektronischen Klängen und wurde exzellent gemastert. Neben Werken der bereits erwähnten Pärt und Knaifel wurden außerdem Aufnahmen und Kompositionen von Paul Giger, Louis Sclavis, Christian Wallumrød, John Abercrombie, Miroslav Vitous, Wolfert Brederode, Enrico Rava, Stefano Bollani, Paul Motian und Bennie Maupin verwendet. Ein echtes Hörerlebnis!
Natürlich ist das rein formal gesehen auch Jazz, denn die beiden Elektroniker bedienten sich durchaus der Improvisation. Vom Gefühl her ist das jedoch eher ein Ambientalbum, erinnert mitunter an Brian Enos und David Byrnes Meisterwerk My Life In The Bush Of Ghosts, oder an späte Werke eines David Sylvian; allerdings in einer weitaus minimalistischeren Umsetzung, bedingt auch dadurch, dass Villalobos und Loderbauer nicht die einzelnen Spuren der Originale bearbeiten konnten, sondern einzelne Instrumente, Stimmen oder Atmosphären extrahierten und diese neu bearbeiteten und zusammensetzten.
Die besten Stücke sind für mich die, die mit Stimmen arbeiten. Zum einen Resvete, basierend auf Alexander Knaifels Svete Tikhiy, und zum anderen Reblazhenstva, das auf dem Stück Blazhenstva des selben Komponisten beruht.
Dieses Projekt ist nicht das, was man von einem Remixalbum erwarten würde. Es hat auch nichts mit Matthew Herberts ähnlichen Versuchen zu tun. Es klingt, besonders wenn man die Originale nicht kennt, praktisch wie ein eigen-ständiges Werk. Es beeindruckt durch das Wechselspiel organischer mit elektronischen Klängen und wurde exzellent gemastert. Neben Werken der bereits erwähnten Pärt und Knaifel wurden außerdem Aufnahmen und Kompositionen von Paul Giger, Louis Sclavis, Christian Wallumrød, John Abercrombie, Miroslav Vitous, Wolfert Brederode, Enrico Rava, Stefano Bollani, Paul Motian und Bennie Maupin verwendet. Ein echtes Hörerlebnis!
Resvete | Kaufen (amazon)
Sonntag, 26. Juni 2011
Gerade gehört: Jay-Jay Johanson - Spellbound
Nach seinem wunderbaren Debut Whiskey 1996 und dem Hit So Tell The Girls That I Am Back In Town, sowie dem dazugehörigen Video, habe ich mir zwar die spätern Alben Jay-Jay Johansons stets angehört, hängen geblieben sind sie bei mir aber nicht so recht. Dabei hat sich der Schwede stets bemüht, in keine Stilfallen zu tapsen. Seinem Trip-Hop-Stempel, den er nach seinem Debut weg hatte (warum auch immer), versuchte er zu entgehen, indem er z.B. mit Robin Guthrie von den Cocteau Twins zusammen arbeitete. Und 2002 engagierte er für sein Album Antenna gar die deutschen Experimentalelektroniker Funkstörung.
Für das aktuelle Album hat er sich wieder mit seinen Musikern aus den 90ern zusammengetan und ein Werk hingelegt, das düsterer und hoffnungsloser kaum sein könnte. Mit sehr sparsamer Instrumentierung, dezenten Streichern an der einen oder anderen Stelle, oder auch mal einer Chet-Baker-mäßigen Trompete, plätschert Spellbound wie ein Easy-Listening-Album dahin. Prima für Fahrstuhl oder Lounge, denkt man sich dabei. Aber die Musik ist lediglich Träger für Johansons großes Plus, seine Stimme, besser: seinen Tenor.
Schon frühere Texte des Schweden strotzten nicht gerade vor Zuversicht und Optimismus. Aber hier und heute schafft er es, mitten im Frühling ein Album zu veröffentlichen, dass derart runterzieht, dass es einen an den Eingeweiden packt. Das düstere Dilemma, als Single vorab veröffentlicht, war also ein Versprechen auf ein Album voller Bitternis, Düsternis, Verzweiflung, Einsamkeit. Suicide is Painless ("Suicide is painless, it brings so many changes") ist ein weiterer Songtitel, Monologue ein anderer. Und beim Hören fragt man sich unwillkürlich, ob das Kalkül ist, oder Kunst oder was? Und wo ist der Humor, der auf früheren Werken immer durchblitzte? Dem Kalkül zum Opfer gefallen? Oder muss man sich ernsthaft Sorgen machen?
Natürlich hat das was, all diese Hoffnungslosigkeit, interpretiert mit dieser wunderbar hellen, beinahe unschuldigen Stimme. Trotzdem kommt nie der Wunsch auf, den Burschen mal in den Arm nehmen zu wollen, ihm zu sagen, so schlimm wirds schon nicht werden, Alter - es ist eben Hoffnungslos.
Getoppt wird das Ganze dann noch von CD 2, die manchen Alben beiliegt und die Looking Glass heißt und akustische Versionen älterer Songs des Schweden bereit hält. Hier hören wir beinahe nur Jay-Jay Johanson und ein Klavier und auch auch hier gibts ausschließlich Titel, die einen so richtig runterziehen. The Girl I Love Is Gone, She Doesn’t Live Here Anymore, The Thrill Is Gone, Alone Again, My Mother's Grave, She's Mine But I'm Not Hers etc etc. Hat man beide Alben am Stück durchgehört braucht man dringend psychologische Betreuung!
Diese Düsternis setzt sich im übrigen auf der offiziellen Webseite des Künstlers fort, die außer Bildern gar keine weiteren Infos bereit hält. Was es mit der zweiten CD auf sich hat, und ob sie allen Veröffentlichungen beiliegt oder nur als limitierte Auflage zu haben ist, habe ich nirgends herausfinden können. (Bei amazon gibt es jedenfalls zwei verschieden Versionen.) Überhaupt gibt es wenig Resonanz zu dem Album in Netz. Vielleicht kein Wunder. Wer will sich schon direkt vor dem Sommer so runterziehen lassen?
Für das aktuelle Album hat er sich wieder mit seinen Musikern aus den 90ern zusammengetan und ein Werk hingelegt, das düsterer und hoffnungsloser kaum sein könnte. Mit sehr sparsamer Instrumentierung, dezenten Streichern an der einen oder anderen Stelle, oder auch mal einer Chet-Baker-mäßigen Trompete, plätschert Spellbound wie ein Easy-Listening-Album dahin. Prima für Fahrstuhl oder Lounge, denkt man sich dabei. Aber die Musik ist lediglich Träger für Johansons großes Plus, seine Stimme, besser: seinen Tenor.
Schon frühere Texte des Schweden strotzten nicht gerade vor Zuversicht und Optimismus. Aber hier und heute schafft er es, mitten im Frühling ein Album zu veröffentlichen, dass derart runterzieht, dass es einen an den Eingeweiden packt. Das düstere Dilemma, als Single vorab veröffentlicht, war also ein Versprechen auf ein Album voller Bitternis, Düsternis, Verzweiflung, Einsamkeit. Suicide is Painless ("Suicide is painless, it brings so many changes") ist ein weiterer Songtitel, Monologue ein anderer. Und beim Hören fragt man sich unwillkürlich, ob das Kalkül ist, oder Kunst oder was? Und wo ist der Humor, der auf früheren Werken immer durchblitzte? Dem Kalkül zum Opfer gefallen? Oder muss man sich ernsthaft Sorgen machen?
Natürlich hat das was, all diese Hoffnungslosigkeit, interpretiert mit dieser wunderbar hellen, beinahe unschuldigen Stimme. Trotzdem kommt nie der Wunsch auf, den Burschen mal in den Arm nehmen zu wollen, ihm zu sagen, so schlimm wirds schon nicht werden, Alter - es ist eben Hoffnungslos.
Getoppt wird das Ganze dann noch von CD 2, die manchen Alben beiliegt und die Looking Glass heißt und akustische Versionen älterer Songs des Schweden bereit hält. Hier hören wir beinahe nur Jay-Jay Johanson und ein Klavier und auch auch hier gibts ausschließlich Titel, die einen so richtig runterziehen. The Girl I Love Is Gone, She Doesn’t Live Here Anymore, The Thrill Is Gone, Alone Again, My Mother's Grave, She's Mine But I'm Not Hers etc etc. Hat man beide Alben am Stück durchgehört braucht man dringend psychologische Betreuung!
Diese Düsternis setzt sich im übrigen auf der offiziellen Webseite des Künstlers fort, die außer Bildern gar keine weiteren Infos bereit hält. Was es mit der zweiten CD auf sich hat, und ob sie allen Veröffentlichungen beiliegt oder nur als limitierte Auflage zu haben ist, habe ich nirgends herausfinden können. (Bei amazon gibt es jedenfalls zwei verschieden Versionen.) Überhaupt gibt es wenig Resonanz zu dem Album in Netz. Vielleicht kein Wunder. Wer will sich schon direkt vor dem Sommer so runterziehen lassen?
Dilemma | Kaufen (amazon)
Mittwoch, 22. Juni 2011
Gerade gehört: Barbara Panther - Barbara Panther
Über Barbara Panthers Debut-Album hatte ich schon viel Gutes gehört, bevor ich nun heute erstmals reinhören konnte. Gleich der erste Song macht reichlich Spaß. Rise Up heißt er und ist der perfekte Opener, der einen scharf macht auf den Rest des Albums.
Und auch der dritte Titel Unchained lässt einen aufhorchen. In beiden Songs schafft Barbara Panther es geradezu perfekt die elektronischen Holpersounds, an deren Entstehung Matthew Herbert im Übrigen beteiligt war, sowie die schrägen Rhythmen und Effekte, mit ihrem Gesang, und in erster Linie mit großartigen Melodien, zu zähmen und in einer Geraden loszurocken (ok, das hätte man früher gesagt - was sagt man heute?) - kurz: es geht ganz schön ab, ohne, dass dabei alleine auf den Tanzflur geschielt würde.
Das Problem des Albums ist jedoch, dass dann so viele gute Songs nicht mehr kommen. Diese Stimme, die oft am Björk erinnert, aber, im Gegensatz zu Björk, nicht immer Halt vor allzu Prätentiösem macht, braucht jedoch gute Melodien und ein wenig Theatralik - ansonsten nervt es. Und das tut es zur Mitte des Album dann tatsächlich.
Doch der letzte Song versöhnt dann wieder. Ride To The Source ist der perfekte Abschluss dieses Albums. Er lässt vieles offen und macht im Grunde Lust auf mehr, auf einen Nachfolger. So kann man dem Album durchaus doch noch mit Sympathie begegnen und Barabra Panther zu einem sehr selbstbewussten Werk gratulieren. Die Spex schließt auf Barbara Panthers Statement: »Why don’t we start a cosmic revolution?«, mit der Frage: Ja, warum denn eigentlich nicht?
Erschienen ist das Album der seit fünf Jahren in Berlin lebenden Ruanderin bei City Slang und ist ebendort auch als Vinyl erhältlich.
Und auch der dritte Titel Unchained lässt einen aufhorchen. In beiden Songs schafft Barbara Panther es geradezu perfekt die elektronischen Holpersounds, an deren Entstehung Matthew Herbert im Übrigen beteiligt war, sowie die schrägen Rhythmen und Effekte, mit ihrem Gesang, und in erster Linie mit großartigen Melodien, zu zähmen und in einer Geraden loszurocken (ok, das hätte man früher gesagt - was sagt man heute?) - kurz: es geht ganz schön ab, ohne, dass dabei alleine auf den Tanzflur geschielt würde.
Das Problem des Albums ist jedoch, dass dann so viele gute Songs nicht mehr kommen. Diese Stimme, die oft am Björk erinnert, aber, im Gegensatz zu Björk, nicht immer Halt vor allzu Prätentiösem macht, braucht jedoch gute Melodien und ein wenig Theatralik - ansonsten nervt es. Und das tut es zur Mitte des Album dann tatsächlich.
Doch der letzte Song versöhnt dann wieder. Ride To The Source ist der perfekte Abschluss dieses Albums. Er lässt vieles offen und macht im Grunde Lust auf mehr, auf einen Nachfolger. So kann man dem Album durchaus doch noch mit Sympathie begegnen und Barabra Panther zu einem sehr selbstbewussten Werk gratulieren. Die Spex schließt auf Barbara Panthers Statement: »Why don’t we start a cosmic revolution?«, mit der Frage: Ja, warum denn eigentlich nicht?
Erschienen ist das Album der seit fünf Jahren in Berlin lebenden Ruanderin bei City Slang und ist ebendort auch als Vinyl erhältlich.
Rise Up | Moonlightpeople | Kaufen (amazon)
Freitag, 17. Juni 2011
Gerade gehört: 13 & God - Own Your Ghost
Vor 6 Jahren war Men On Station von 13 & God mein persönlicher Sommerhit. Ein wunderbarer Song in bester Notwist-Tradition und ein Song, der einen gewissen Trostspenderfaktor besitzt. Und je öfter ich ihn hörte, desto mehr erschloss sich mir auch das dazu gehörige Album 13 & God.
Nun, im Frühjahr 2011, erscheint das zweite Album des Projekts um die Weilheimer Band Notwist, die US-amerikanischen Ambient-Rapper Themselves, Martin Gretschmann von Console und Mitgliedern der Avantgarde-Hip-Hopper-Band Subtle. Und vom Zeitplan passt das genau, um einen neuen Sommerhit zu landen, doch den wirft diese Album leider nicht ab.
Überhaupt ist hier von Sommer weit und breit keine Spur. Zu düster kommt das Album daher, beschäftigt sich offenbar eher mit traurigen Themen, was sich in der Musik und in der Produktion niederschlägt. Es wird an vielen Knöpfen gedreht, gesampelt, mit Hall gearbeitet. Und obwohl vieles etwas konstruiert klingt, funktioniert das alles irgendwie, ist irgendwie auch gut - aber trotzdem: es fehlt mir etwas, womit ich in dieses etwas angstmachende Album einen Einstieg finden könnte, so wie vor 6 Jahren.
Interessant dabei, dass ja auch das neue Werk des Tied & Tickled Trios, das ja ebenfalls aus der Weilheimer Musikschmiede stammt, mit einer deutsch-amerikanischen Kollaboration an den Start geht. Diese formale Gemeinsamkeit ist aber auch schon alles, was diese Alben verbindet. Während das Tied & Tickled Trio sich öffnet, seiner Musik versucht Raum zu geben, hat die Musik auf Own Your Ghost eher etwas klaustrophobisches, leicht paranoides.
Wie auch immer: ich habe das Album nun mehrere Male gehört und bin nach wie vor unentschlossen. Reinhören kann man auf der Alien Transistor-Seite oder bei amazon
. Komplett anhören kann man sich Own Your Ghost hier, was nicht immer funktioniert. Vielleicht hilft das anderen bei der Meinungsbildung.
Zum Download gibts noch einmal meinen Sommerhit von 2005 - zum Erinnern - und die Single Oldage vom neuen Album:
Men Of Station | Oldage
Nun, im Frühjahr 2011, erscheint das zweite Album des Projekts um die Weilheimer Band Notwist, die US-amerikanischen Ambient-Rapper Themselves, Martin Gretschmann von Console und Mitgliedern der Avantgarde-Hip-Hopper-Band Subtle. Und vom Zeitplan passt das genau, um einen neuen Sommerhit zu landen, doch den wirft diese Album leider nicht ab.
Überhaupt ist hier von Sommer weit und breit keine Spur. Zu düster kommt das Album daher, beschäftigt sich offenbar eher mit traurigen Themen, was sich in der Musik und in der Produktion niederschlägt. Es wird an vielen Knöpfen gedreht, gesampelt, mit Hall gearbeitet. Und obwohl vieles etwas konstruiert klingt, funktioniert das alles irgendwie, ist irgendwie auch gut - aber trotzdem: es fehlt mir etwas, womit ich in dieses etwas angstmachende Album einen Einstieg finden könnte, so wie vor 6 Jahren.
Interessant dabei, dass ja auch das neue Werk des Tied & Tickled Trios, das ja ebenfalls aus der Weilheimer Musikschmiede stammt, mit einer deutsch-amerikanischen Kollaboration an den Start geht. Diese formale Gemeinsamkeit ist aber auch schon alles, was diese Alben verbindet. Während das Tied & Tickled Trio sich öffnet, seiner Musik versucht Raum zu geben, hat die Musik auf Own Your Ghost eher etwas klaustrophobisches, leicht paranoides.
Wie auch immer: ich habe das Album nun mehrere Male gehört und bin nach wie vor unentschlossen. Reinhören kann man auf der Alien Transistor-Seite oder bei amazon
Zum Download gibts noch einmal meinen Sommerhit von 2005 - zum Erinnern - und die Single Oldage vom neuen Album:
Men Of Station | Oldage
Tour:
14. Juli Garage - London
15. Juli Nouveau Casino - Paris
16. Juli Dour Festival - Dour, Belgien
17. Juli Uebel & Gefährlich - Hamburg
21. Juli Boomtown Festival - Gent, Belgien
22. Juli Schlachthof - Wiesbaden
23. Juli Puch Festival - Puch
Mittwoch, 15. Juni 2011
Gerade gehört: O'Death - Outside
Eine Krebsdiagnose hinterlässt stets tiefe Spuren; im Leben eines Erkrankten ebenso, wie in dem von Angehörigen, Freunden, Bekannten - Und so war nichts mehr wie vorher, als vor zwei Jahren bei O'Death-Schlagzeuger David Rogers-Berry Krebs diagnostiziert wurde. Nun, zwei Jahre und eine Chemotherapie später, kommen O'Death mit ihrem vierten Album doch sehr verändert daher. Sie klingen erwachsener, netterweise weniger düster als früher, musikalisch traditioneller, teilweise gar etwas süßlich, aber nie unangenehm, nein, durchweg spannend und voller Überraschungen.
Wer O'Death von früher kennt, wird vielleicht deren Verspielheit vermissen, die nur noch selten durch die Songs hindurch scheint. Auch ihre mitunter völlig überdrehten Ideen, die sie leider nie richtig zu Ende brachten, sind nicht völlig verschwunden, was Songs wie Alamar oder The Lake Departed beweisen. Auf Outside wird nun seriös musiziert und O'Death schaffen es zum ersten Mal ein Album abzuliefern, das man von Anfang bis Ende durchhören kann und das weder nervt noch langweilt. Kurz: ihr bestes Album bisher.
Wer Tom Waits mag, sich an Gavin Friday erinnert und das eine oder andere Calexico-Album im Plattenschrank hat, der sollte hier unbedingt mal reinhören. Es ist bei City Slang erschienen und auch als Vinyl erhältlich.
Wer O'Death von früher kennt, wird vielleicht deren Verspielheit vermissen, die nur noch selten durch die Songs hindurch scheint. Auch ihre mitunter völlig überdrehten Ideen, die sie leider nie richtig zu Ende brachten, sind nicht völlig verschwunden, was Songs wie Alamar oder The Lake Departed beweisen. Auf Outside wird nun seriös musiziert und O'Death schaffen es zum ersten Mal ein Album abzuliefern, das man von Anfang bis Ende durchhören kann und das weder nervt noch langweilt. Kurz: ihr bestes Album bisher.
Wer Tom Waits mag, sich an Gavin Friday erinnert und das eine oder andere Calexico-Album im Plattenschrank hat, der sollte hier unbedingt mal reinhören. Es ist bei City Slang erschienen und auch als Vinyl erhältlich.
Alamar | Bugs | Kaufen (amazon)
Montag, 13. Juni 2011
Gerade gehört: Feelies - Here Before
Kann denn diesen Sommer eigentlich noch etwas schief gehen? Nein, denn die Feelies haben ein neues Album veröffentlicht! Und das könnte tatsächlich das Sommeralbum werden, eventuell sogar das Album des Jahres. Here Before heißt es übrigens. Es wurde natürlich in Hoboken eingespielt. In der Besetzung mit der sie schon 2008 einige Reunionkonzerte gegeben haben, also mit Glenn Mercer und Bill Million an den Gitarren, Dave Weckerman (Percussion), Bassistin Brenda Sauter, sowie Stan Demeski am Schlagzeug.
Das Schöne: die Feelies klingen einerseits wie vor 20 Jahren, als sie wie Velvet Underground 20 Jahre zuvor klangen: melodiöser Garagenpop mit ausgfeilter aber unspektakulärer Gitarrenarbeit, das was mir an der Band schon immer am Besten gefiel. Aber sie klingen auch erwachsener und nachdenklicher, wenngleich ihre Songs nicht mehr von der selben Angst durchzogen sind, wie zu früheren Zeiten. Und so sind die Kritiken auch überwiegend positiv. Der Guardian etwa schließt seine Kritik mit den Worten:
Die Vinylausgabe des Album ist streng limitiert und enthält eine Downloadkarte.
Bleibt zu erwähnen, dass die Alben Crazy Rhythms
und The Good Earth
kürzlich neu veröffentlicht wurden. Auch sie sind in ihren Vinylausgaben mit Downloadkarten ausgestattet, die exklusiv reichlich Bonusmaterial bereithalten!
Change Your Mind | Anhören (Clips)
| Zwei komplette Songs kann man auf feeliesweb.com anhören
Das Schöne: die Feelies klingen einerseits wie vor 20 Jahren, als sie wie Velvet Underground 20 Jahre zuvor klangen: melodiöser Garagenpop mit ausgfeilter aber unspektakulärer Gitarrenarbeit, das was mir an der Band schon immer am Besten gefiel. Aber sie klingen auch erwachsener und nachdenklicher, wenngleich ihre Songs nicht mehr von der selben Angst durchzogen sind, wie zu früheren Zeiten. Und so sind die Kritiken auch überwiegend positiv. Der Guardian etwa schließt seine Kritik mit den Worten:
...its distinctly pastoral feeling is tempered with a slight nervousness and tension, the sound of the city [New York] meeting the countryside. It's gorgeous.Etwas kritischer ist das Dusted Magazine und bemerkt treffend:
Here Before isn’t a perfect album. The energy ebbs midway through, and it’d be nice to have a few more surprises like that guitar solo. But it tells the truth; The Feelies really are here again, operating in a fashion as insular and purposeful as they did in days of old without denying who they are now. It’s good to have them around.Also ein prima Album für die heißen, trägen Tage in der Hängematte, oder, etwas weniger exotisch, auf dem Balkon!
Die Vinylausgabe des Album ist streng limitiert und enthält eine Downloadkarte.
Bleibt zu erwähnen, dass die Alben Crazy Rhythms
Change Your Mind | Anhören (Clips)
Sonntag, 5. Juni 2011
Gerade gehört: Tom Vek - Leisure Seizure
Das neue Album von Tom Vek, Leisure Seizure, folgt dem Überraschungserfolg We Have Sound, das 2005 erschien und Vek viel Kritikerlob einbrachte. Groß geworden mit Pearl Jam und den Smashing Pumpkins einerseits und elektronischer Musik der 90er (Ninja Tune, Warp) andererseits, entwickelte Tom Vek einen aufregenden Stilmix, den er auf seinem neuen Album nun perfektioniert hat. Für mich ist jedoch das Augenfälligste, dass Vek höchsten Wert auf solides Songwriting legt. Wohlmöglich ein Grund dafür, warum 6 Jahre seit We Have Sound vergehen mussten, bis wir nun endlich wieder etwas von ihm hören dürfen.
Samstag, 4. Juni 2011
Gerade gehört: Arctic Monkeys - Suck It And See
Ich bin kein Arctic Monkeys-Fan, kenne aber ihre Alben und habe sie immer wieder gerne gehört. Das letzte, in Amerika produzierte Album Humbug allerdings, ließ erste Schwächen erkennen, die nun, auf dem aktuellen Werk, noch deutlicher hervor treten.
Klar, wenn man ein Album in den USA einspielt, will man auch nach USA klingen. Und dann ist es in der Regel auch Schluß mit Poppen, denn dann wird gerockt. Leider ist das ein Weg, den schon viele Bands und Musiker eingeschlagen haben, wenn sie zwar das nötige Kleingeld hatten, ihnen aber die Ideen, sprich die Melodien ausgegangen sind. Das ist auch auf Suck It And See ganz deutlich zu hören. Da wirken die Referenzen und Zitate an die amerikanische Rockmusik schon beinahe etwas hilflos, wenn nicht anbiedernd. Und das ist wirklich schade. (Und mit einer Rückkehr zum Britpop, wie ich an verschiedenen Stellen lesen konnte, hat das nun wirklich gar nichts zu tun!)
Für mich sind die Monkeys auf dem neuen Album immer dann am besten, wenn sie nach Iggy Pop klingen. Egal, ob sie das als Zitat oder sonstwie meinen. Es ist gut. Auch gut, dass es wenigstens diese handvoll passabler Songs gibt! Denn die Arctic Monkeys müssen aufpassen. Sie sind auf dem direkten Weg ins musikalische Einerlei.
Auch als Vinyl erhältlich!
Klar, wenn man ein Album in den USA einspielt, will man auch nach USA klingen. Und dann ist es in der Regel auch Schluß mit Poppen, denn dann wird gerockt. Leider ist das ein Weg, den schon viele Bands und Musiker eingeschlagen haben, wenn sie zwar das nötige Kleingeld hatten, ihnen aber die Ideen, sprich die Melodien ausgegangen sind. Das ist auch auf Suck It And See ganz deutlich zu hören. Da wirken die Referenzen und Zitate an die amerikanische Rockmusik schon beinahe etwas hilflos, wenn nicht anbiedernd. Und das ist wirklich schade. (Und mit einer Rückkehr zum Britpop, wie ich an verschiedenen Stellen lesen konnte, hat das nun wirklich gar nichts zu tun!)
Für mich sind die Monkeys auf dem neuen Album immer dann am besten, wenn sie nach Iggy Pop klingen. Egal, ob sie das als Zitat oder sonstwie meinen. Es ist gut. Auch gut, dass es wenigstens diese handvoll passabler Songs gibt! Denn die Arctic Monkeys müssen aufpassen. Sie sind auf dem direkten Weg ins musikalische Einerlei.
Auch als Vinyl erhältlich!
Daten:
17.06.11 - Southside Festival - Tuttlingen
19.06.11 - Hurricane Festival - Bremen
20.06.11 - Admiralspalst - Berlin
22.06.11 - E-Werk - Köln
23.06.11 - Paradiso - Amsterdam (ausverkauft)
26.06.11 - Rock A Field Festival 2011 - Luxemburg
29.06.11 - Le Zenith Nantes Metropole - Nantes, Frankreich
01.07.11 - Rock Werchter 2011 - Werchter, Belgien
03.07.11 - Eurockéennes Festival - Belfort, Frankreich
08.07.11 - T In The Park - Kinross, Schottland
09.07.11 - Oxegen - Punchestown Racecourse, Irland
11.07.11 - Les Nuits De Fourvière - Lyon, Frankreich
14.07.11 - Super Bock Super Rock Festival - Portugal
16.07.11 - Benicassim Festival - Benicassim, Spanien
17.07.11 - Gurten Festival - Bern
Karten zu den Konzerten in Deutschland gibt es hier.
Brick By Brick | Anhören | Download | Kaufen (amazon)
Donnerstag, 2. Juni 2011
Gerade gehört: Gus Gus - Arabian Horse
Nicht nur die Feelies kommen mit einem neuen Album an den Start, nein, auch Gus Gus haben ein neues Werk veröffentlicht! Wo da der Zusammenhang ist? Während die Feelies eine Pause von realen 20 Jahren eingelegt hatten, liegt das letzte Album von Gus Gus gefühlt 20 Jahre zurück. Tatsächlich habe ich seit This Is Normal nichts mehr von Gus Gus wahr genommen. Dabei waren sie in diesem Jahrtausend ziemlich aktiv, haben sogar ihr eigenes Label gegründet. Obwohl von der Band, die Mitte der Neunziger ihr Debutalbum Polydistortion (damals auf 4AD) veröffentlichte, kaum etwas geblieben ist. Nach deren Auflösung blieben drei Musiker und ihre Synthesizer zurück. Zwischenzeitlich gesellte sich Earth als Sängerin hinzu, heute singt Daniel August; und der ist für mich die Überraschung: was für eine wunderbare Stimme! Ein herrliches souliges Gegenstück zur Elektronik, die das Album ansonsten beherrscht. Mit ihren Doepfer Modular Systemen erzeugen Gus Gus Sounds, die mal an Silicon Soul, mal an KLF erinnern - ach ja: und auch an Gus Gus ist der Dubstep nicht spurlos vorbei gegangen! Super Album!
Auch als Vinyl erhältlich!
Auch als Vinyl erhältlich!
Daten:
24.06.11 Bootshaus, c/o Pop Festival 2011, Köln
25.06.11 Scheune, Dresden
Be With Me | Anhören (Clips) | Kaufen (amazon)
Mittwoch, 25. Mai 2011
Gerade gehört: The Living Sisters - Love to Live
Schon vor einem Jahr ist das Album der Living Sisters erschienen. Ein Debutalbum dreier Frauen, Inara George (The Bird and the Bee), Becky Stark (Lavender Diamond) und Eleni Mandell, die bereits seit Jahren äußerst produktiv im Musikgeschäft unterwegs sind, sich nun aber als The Living Sisters zusammen gefunden haben. Ein absoluter Glücksfall, denn ihre Stimmen passen so wunderbar zusammen, dass es mich immer wieder fasziniert, sie zu hören. Und als ich gestern auf YouTube unterwegs war, um nach den dreien zu suchen, da entdeckte ich einen Clip, in dem sie den David Bowie Song Starman zum besten geben - irgendwo live aufgeführt. Etwas schräg aber zauberhaft.
Auch als Import-Vinyl erhältlich!
Auch als Import-Vinyl erhältlich!
The Mountain Has Skies | The Living Sisters bei Vanguard Records | Kaufen (amazon)
Sonntag, 22. Mai 2011
Gerade gehört: Tied + Tickled Trio + Billy Hart - La Place Demon
Schon seit Anfang April auf meiner Festplatte bin ich erst jetzt dazu gekommen mir das neue Werk des Tied + Tickled Trios anzuhören. Zur Verstärkung haben sich die Brüder Markus und Micha Acher dieses mal u.a. den fantastischen Saxophonisten Johannes Enders, den Klarinettisten Ulrich Wangenheim, sowie als Special Guest den Schlagzeuger Billy Hart ins Studio geholt; und präsentieren auf diese Weise eine äußerst gelungene Mischung aus Hard Bob, Cool-Jazz bis hin zu wüsten Free-Jazz-Passagen. Aber alles wohldosiert und extrem unterhaltsam.
Auch als Vinyl erhältlich!
Auch als Vinyl erhältlich!
Tour Daten:
30.05 München — Volkstheater
31.05 Mannheim — Alte Feuerwache
01.06 Leipzig — Centraltheater
02.06 Berlin — HAU 1
The Three Doors, Part 3 | Tied + Tickled Trio bei Morr | Kaufen (amazon)
Donnerstag, 19. Mai 2011
Gerade gehört: Gang Gang Dance - Eye Contact
Das neue heiße Ding heißt Gang Gang Dance? Der Name erweckte bei mir schon immer etwas Abstoßendes, weswegen ich mir auch deren neues Album Eye Contact gar nicht angehört hätte, wären da nicht diese euphorischen Stimmen der britischen Musikmedien. Die schreiben u.a:
"A freak-out of experimentation." - Q
"Deliriously enjoyable" - Uncut ****
"A bright and endless summer of sound" - The Wire
"Pure exhilaration" - Word
"A masterclass in mind-expanding, boundary-melting art-rock" - The Independent
“One of the most captivating, exciting and original albums of the year” - BBC
“Eye Contact is, in every way, beautifully synthesized” - MOJO ****
"Gang Gang Dance's finest, weirdest, and most uplifting statement yet." - Pitchfork, Best New Music
Kann man sich solcher Jubeleien tatsächlich entziehen? Natürlich nicht! Ich habe also reingehört und bin nun am Überlegen, ob das Album mein bisheriges Album des Jahres (Gang Of Four) ablösen wird oder nicht! Zumal der Sommer vor der Tür steht und man ein Sommeralbum braucht (und Gang Of Four sind ganz klar eher kein Sommeralbum). Und während ich noch so nachdenke habe ich auf der 4AD Webseite eine 45-minütige Session der Band gefunden, die man sich unbedingt anschauen muss. Eine ganz klare Entscheidungshilfe!
Das geniale an dem Album ist das Mäandern zwischen den Sounds, weniger den Stilen. Hier ist alles vertreten, was ein Tanzalbum ausmachen muss, das nicht ausschließlich am Computer entstanden ist. Beinahe wie die Acts der ganz späten 70er Jahre, die stets (nicht immer) darauf achteten, dass das Albummaterial auch live dargeboten werden konnte (musste). Da kann man heutzutage natürlich viel mehr aus den Vollen schöpfen. Und Gang Gang Dance sparen nicht mit Referenzen. Und die scheinen auch genau in jener Zeit, so um 1980, zu liegen, als Tanzmusik (Disco) noch eine Unterkategorie der Rockmusik war. Und nicht nur beim Hören der Single Mindkilla stellen sich bei mir sofort Assoziationen zu den Associates oder Arthur Russell ein, Musikanten deren Werk man sowieso gar nicht oft genug würdigen kann. Warum nicht mit einem Album in deren Sinne?
Tour Daten:
19.05 Melkweg (Old Room), Amsterdam
21.05 HAU, Berlin
23.05 Vega, Kopenhagen
25.05 Stall 6, Zürich
26.05 Circolo Magnolia, Mailand
Mindkilla | Kaufen (amazon)
Dienstag, 17. Mai 2011
Gerade gehört: Kate Bush - Director's Cut
Während ich das schreibe höre ich die neue CD von Kate Bush bereits zum vierten Mal und es stellt sich kein Verschleiß ein. Im Gegenteil: einige Songs wachsen mit der Zeit. Und die Songs haben ja tatsächlich schon reichlich Zeit auf dem Buckel, denn sie stammen allesamt aus den beiden Alben The Red Shoes (vom November 1993) und The Sensual World (Okt. 1989). Mit beiden Alben bin ich nie sonderlich warm geworden. Besonders The Red Shoes fand ich stets ideenlos in jeder Hinsicht und empfand das anschließende Ausbleiben einens Nachfolgealbums auch immer als sehr konsequent.
Nach dem überwältigenden Erfolg von Hounds Of Love waren die Ansprüche an die Nachfolgealben natürlich groß. Kate Bush konnte sie nicht erfüllen. Ich halte sie jedoch für charakterstark genug, um Erwartungen von außen gar nicht zuzulassen. Nicht umsonst sagt man, man solle auf dem Höhepunkt seines Schaffens aufhören. In unserer Zeit werden diese Höhepunkte allerdings an den Kontoständen der Beteiligten und nicht mit kreativen Maßstäben gemessen. Dass Kate Bush nach wie vor großartige Songs schreiben konnte, zeigt, dass es nicht an ihr lag, dass diese Alben so flau aussfielen.
Das muss Kate Bush gewurmt haben. Ein Jammer, wenn gute Songs auf unterbewerteten Alben verschwinden. Also hat sie sich hingesetzt und einen Director's Cut angefertigt, dabei einige Songs neu eingespielt, andere neu abgemischt oder editiert und die eine oder andere Textzeile angepasst. Und das Gute: es passt, es klingt wie ein neues Album. Ja, selbst einige Songs klingen wie neue, aktuelle Kompositionen. Kate Bush hat eine neue Sprache gefunden, um diese Songs nach 20 Jahren wiederzubeleben. Und das ist gut!
Den eingefleischten Fans (die sich ja auch schon mal als die undankbarsten erweisen können) streiten nun natürlich darüber. Sie kennen die Songs zur Genüge und wünschen sich neue. Ich rate ihnen jedoch, sich dieses Album in Ruhe anzuhören. Sie werden eine Menge Neues entdecken. Und von schlechtem Sound, Hauptstreitpunkt unter den "Experten" mit ihren vom Digitalen verkorksten Ohren, kann ich nichts hören. Kate Bush bevorzugt nun einmal einen warmen, analogen Sound und das hat sie schon immer getan und das klang auf Vinyl auch immer gut. Lediglich die CD-Versionen ihrer Alben hatten mitunter einen etwas muffeligeren Sound. Auch ihr Comeback-Album Aerial von 2005 klang nicht anders. Damals gab es kaum Kritik.
Noch schlimmer die Fans, die ihre Stimme als "stellenweise brüchig" beschreiben. Leute, diese Frau ist kein junges Mädchen mehr! Ich empfinde Kate Bushs Stimme als reifer aber 100% wiedererkennbar und nie brüchig. Die Kiekser von ganz früher fehlen. Ansonsten hat sie nichts eingebüßt.
Das Album gibt es auch in einer Ausgabe mit 3 CDs. Neben dem originalen Album enthält das Set auch die beiden Alben The Red Shoes und The Sensual World, eines davon allerdings in nahezu unveränderter, das andere in remasterter Version. Das Set kostet zwar keine 10 EURO mehr als die Einzel-CD, ist trotzdem etwas fragwürdig. Möglicherweise waren diese beiden Alben aber zuletzt gar nicht mehr erhältlich und Kate Bush wollte sie so wieder zugänglich machen. Wer weiß. Ist aber im Endeffekt egal.
Bleibt zu erwähnen, dass es dieses Album ab Freitag (20.5.) auch als Doppel-Vinyl
gibt, und dass es das erste auf ihrem eigenen Label Fish People ist. Entsprechend wurde auch ihre Webseite umgestaltet. Dort kann man sich auch das Video mit Robbie Coltrane anschauen.
And So Is Love | Fish People | Kaufen (amazon)
Sonntag, 15. Mai 2011
Gerade gehört: Bohren und der Club of Gore - Beileid
Das lustigste an Bohren und der Club of Gore ist ja, dass viele Menschen nicht wissen, wo sie diese Musik einordnen können. Zwischen Doom (auf Wikipedia wird das Drone-Doom genannt) bis Jazz ist da alles vertreten. Für mich ist das einfach nur langsame, um nicht zu sagen, sehr, sehr langsame Musik, eingespielt in Quartettbesetzung mit Bass, Schlagzeug, Saxophone und Tasteninstrumenten. Die Langsamkeit der Darbietung ermöglicht es die einzelnen Töne so lange zu dehnen, bis sie praktisch ein Eigenleben entwickeln. Dann ist man ganz in der Nähe von Ambient-Musik. Ein in der Musik (beinahe) einzigartiges Projekt, das immer wieder für neue Überraschungen sorgt. Auf diesem Minialbum mit knapp 40 Minuten Spielzeit z.B. durch eine Coverversion eines Doro Pesch-Titels, für den die Band sich keinen geringeren als Mike Patton als Sänger ins Studio holte.
Tour Daten:
02.07.2011 Duisburg (DE), Traumzeit Festival
06.08.2011 Kattowice (PL), Off Festival
30.09.2011 Essen (DE), Denovali Swingfest
Catch My Heart | Kaufen (amazon)
Freitag, 13. Mai 2011
Gerade gehört: Autechre - EPs 1991-2002
Autechre - EPs 1991-2002
OK, ich habe die Box nicht ganz gehört, nur so reingehört, vor allem in die erste EP Cavity Job, die nun zum ersten Mal auf CD erschienen ist. Viele, zugegeben: die meisten Titel, die in der Box enthalten sind, kann ich heute nur noch schwer ertragen. Vor 10, 12 Jahren, als ich Autechre für mich entdeckte, war ich z.T. tief beeindruckt von derem messerscharfen Sound, der oft, und erst recht in Verbindung mit den Videos, ganz neue Gefilde der Technomusik auslotete. Das war aufregend - heute aber macht mich das leider eher kirre.
Download | Kaufen (digital) | Kaufen (amazon)
Gerade gehört: Bootsy Collins - Tha Funk Capitol Of The World
Bootsy Collins - Tha Funk Capitol Of The World
Zunächst wollte ich mir dieses neue Album des Veteranen des Funk, Bootsy Collins, einst Bassist in der Band von James Brown und Mitglied in Bands wie Parliament und Funkadelic, gar nicht anhören. Ich befürchtete ein nichtsagendes Alterswerk. Dann las ich heute das Interview mit ihm in der taz zu seinem 60. Geburtstag. Das war sehr amüsant und ich entschloss mich doch mal reinzuhören, in Tha Funk Capitol Of The World - und nun bin ich positiv überrascht. Ein prima Funkalbum, mit allem was eine gute Bootsy-Collins-Scheibe ausmacht und auch noch ein wenig mehr. So überrascht er auf dem Song Siento Bombo sogar mit Latintönen. Darüberhinaus gibt es, eigentlich nichts Ungewöhnliches, ohne Ende Gäste, von Snoop Doggy Dog über Buckethead bis zu Samuel L. Jackson und (Grüße ins Jenseits!) Jimi Hendrix. Ein großer Spaß!
Auch als Vinyl erhältlich.
Auch als Vinyl erhältlich.
Außerdem kommt Bootsy Collins im Juli für zwei Konzerte nach Europa. Dabei tritt er in Rotterdam auf dem North Sea Jazz Festival und in Montreux auf dem dortigen Jazzfestival auf.
Anhören
Abonnieren
Posts (Atom)






