Still und heimlich haben Lamb vor 4 Wochen ihr fünftes Album veröffentlicht. So unbemerkt eventuell deswegen, weil es zunächst nur als Download zu haben ist und erst am 1. Juli auf CD erscheinen wird. Aber ein wenig mehr Spektakel hätte ich in Verbindung mit einem neuen Alben des Duos aus Manchester schon erwartet. Immerhin haben sie mit zumindest einem Song einen Meilenstein am Wegesrand der Popmusikgeschichte hinterlassen. Gorecki (und auch das dazugehörige Debutalbum Lamb) erschien 1996 und setzte Maßstäbe nicht nur weil es auf neue Weise Popmusik und Drum n' Bass zusammenbrachte. Drum n' Bass wurde sozusagen hoffähig. Darüber konnte man denken wie man wollte. Dem Rezept von Lamb konnte man sich nur schwer entziehen.
Seitdem jedoch laufen die beiden Musiker diesem Erfolg vergeblich hinterher. Von den folgenden drei Album konnte man dann den Eindruck gewinnen, dass sie diesen Debuterfolg unbedingt wiederholen wollten. Das klang leider oft bemüht, mit der Brechstange. Und dieses "Bemühen" ist dann auch das einzige, was nach dem dritten Hören des neuen Albums, des Reuniuon-Albums 5, hängen bleibt. Das tut teilweise echt weh. Gleich mehrfach hat man den Eindruck, jetzt heben sie gleich ab, um ein neues Gorecki oder Cotton Wool zu starten - aber nicht mal das schaffen sie und stürzen jedesmal erbärmlich ab. Da helfen auch die dezenten Streicher, das Piano und die ausgeleierten Breakbeats nicht weiter. Außerdem: seit den ja eher folkig daherkommenden Soloalben von Lou Rhodes finde ich die Art wie sie ihre Stimme bei Lamb einsetzt, oft eher aufdringlich.
